Die Blogger-Challange: Ein Zwischenfazit

Anfang des Jahres habe ich – ziemlich überraschend – viel Aufmerksamkeit erfahren, als ich zu einer Blogger-Challenge aufgerufen habe. Ich hatte zuvor darüber nachgedacht, dass die Bloggerszene zwar einerseits sehr lebendig, andererseits aber auch passiv ist. Jeder Blogger promotet seine eigenen Beiträge, was das Zeug hält, ist aber meist sehr verhalten, wenn es um die Werke der anderen geht. Auch ich war/bin da keine Ausnahme, wollte im Januar 2016 aber unbedingt etwas daran ändern. Also habe ich mir eine Challenge ausgedacht: Ich wollte an jedem Tag in diesem Jahr mindestens einen Blogpost meiner unzähligen „Kollegen“ kommentieren. Mein ambitioniertes Vorhaben fand schnell viele Anhänger und wurde in den sozialen Netzwerken gestreut. Nun – fast ein halbes Jahr nach dem Aufruf – wird es Zeit für ein erstes  Resümee.

Blogger Challenge

Die Schwierigkeiten der Challenge

Ich will gleich zu Beginn ehrlich sein: Ich hätte niemals gedacht, dass meine Challenge soooo schwer werden würde – auch wenn mich viele Leute davor „gewarnt“ haben. Jeden Tag einen „läppischen“ Kommentar hinterlassen, was kann daran schon so schwer sein? – So oder so ähnlich waren meine Gedanken, als die Challenge begann.

Getragen von dem überwältigenden und fast ausschließlich positiven Feedback machte ich mich ans Werk und fing an, neue Blogs zu entdecken und bereits bekannte genauer unter die Lupe zu nehmen. Das Projekt trug schnell Früchte. ich vernetzte mich mit tollen Menschen, las viele interessante Beiträge und konnte einfach unheimlich viel Input mitnehmen. Doch trotz all dieser Erfolge blieb das Kommentieren die meiste Zeit über ein Zwang. Ich suchte jeden Tag einen neuen Blog und einen neuen Beitrag heraus, der mit „kommentierwürdig“ erschien. Eines ist nämlich Fakt: Nicht jeder kreative Erguss in der Welt der Blogger lädt mich automatisch dazu ein, einen kreativen und lieb gemeinten Kommentar zu hinterlassen. Nicht selten saß ich vor dem Smartphone oder Laptop und dachte mir: „Und was soll ich darauf jetzt schreiben?“

So kam es nach etwa anderthalb Monaten, in denen ich strikt an meiner Blogger-Challenge festgehalten hatte, dazu, dass ich den Spaß an dem Projekt verloren hatte. Das Zusammenspiel aus Zwang und der nie endenden Suche nach tollen Beiträgen hatte dafür gesorgt, dass mein Experiment zum Pflichtprogramm wurde. Mir war klar: In diese Richtung sollte das alles nicht gehen.

Und dann?

Dann wurde es erst einmal still um meine Challenge. Ich war ehrlich gesagt ganz froh darüber, dass das Thema mit Fortschreiten des Jahres immer weniger Beachtung fand und nur noch selten angesprochen wurde. Gleichzeitig merkte ich auch, wie mir der Wegfall vom Druck gut tat. Natürlich habe ich nach wie vor neue Blogs gefunden und mich mit Bloggern vernetzt. Wenn mir ein Beitrag sehr gut gefallen hat, habe ich ihn auch kommentiert – auch mal länger, auch mal kritisch, auch mal selbstreflektierend. Es war der klassische Weg weg von der Quantität hin zur Qualität. So sollte es doch sein, oder?

Neuer Aufwind für die Blogger-Challenge

Die Wege der sozialen Medien sind unergründlich. So heißt doch ein Sprichwort, oder? 😉 Auf jeden Fall kann die zeitliche Nähe der folgenden beiden Begebenheiten noch immer nicht so recht erklären:

Erst in der letzten Woche erreicht mich der Kommentar von „Sternchen“. In diesem heißt es: „Hallo Jessika, jetzt bin ich gerade ‚per Zufall‘ auf deinen Blog-Beitrag gestoßen, was mich sehr freut. Ich muss zugeben, ich kommentiere auch etwas zu wenig. Dein Beitrag hat mich jedoch gleich dazu bewegt zu kommentieren ? Kannst du schon ein kleines Resümee ziehen? Jetzt sind ja schon 5 Monate rum… Bin gespannt!“ 

Heute dann auf Twitter: Ich werde „spontan“ in ein Gespräch über das Kommentierverhalten von Bloggern verwickelt und wieder einmal als Initiatorin der Blogger-Challenge erwähnt. Dazu wieder die Anfrage, ob ich meine bisherigen Erfahrungen nicht einmal zusammenfassen könne. Zufall? Oder doch ein Wink von sonst wo, der mich nun dazu animiert hat, dieses Resümee zu schreiben? Wahrscheinlich eine Kombination aus beidem.

Nach 5 Monaten Blogger-Challenge…

Hier ist es also: Das „heiß ersehnte“ Zwischenfazit meiner Blogger-Challenge 2016:

  • Habe ich es geschafft, jeden Tag einen anderen Blogpost zu kommentieren? Nein, ich habe es nicht geschafft!
  • Warum habe ich es nicht geschafft? Das Kommentieren wurde zur Pflicht. Außerdem fiel es mir schwer, jeden Tag einen „kommentierbaren“ Blogpost zu finden.
  • Was war ansonsten noch schwer? Aus den Kommentaren entstanden selten (oder gar keine) Diskussionen/Gespräche. Ich konnte einfach nicht immer und immer wieder alle Blogs aufrufen und auf Reaktionen kontrollieren.
  • Was kann ich positives vermelden? Die Blogger-Challenge hat das Bewusstsein für das Problem der „Kommentierfaulheit“ bei vielen Bloggern geschärft, ich konnte neue Blogger und deren Blogs kennenlernen und mich austauschen/vernetzen und habe erkannt, dass es beim Kommentieren auf Qualität, nicht Quantität ankommt
  • Werde ich die Blogger-Challenge fortsetzen? Nicht in ihrer ursprünglichen Form. Ich kann mir vorstellen, dass das jetzt den einen oder anderen Leser enttäuscht, aber ich habe den Aufwand tatsächlich unterschätzt. Ich schalte nun also einen Gang zurück und hoffe, dass ich dennoch öfter motiviert bin, tolle Beiträge zu kommentieren.

 

Mein Fazit: Kommentieren ist wichtig und trägt maßgeblich zur Stimmung in der Blogosphäre bei. Uns allen sollte das klar sein und wir alle sollten darum bemüht sein, einen aktiven Austausch zu fördern. Das bedeutet nun einmal nicht nur, Blogs zu lesen, sondern sie auch zu kommentieren. Wenn wir dann auch noch alle über unseren Schatten springen und einen „fremden Post“ über unsere Kanäle teilen, wenn er uns gefällt oder unser Angebot ergänzt, dann denke ich doch, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Blogging bedeutet schließlich nicht nur, sich selbst darzustellen, sondern auch in Kontakt mit anderen zu treten, sich auszutauschen und Diskurse anzustoßen – und das alles funktioniert nun einmal nicht, wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht.

 

Ich hoffe nun, dass ich trotz des Scheiterns bei niemandem in Ungnade falle und ihr trotzdem weiterhin gern meine Beiträge lest. Ich habe schlicht und ergreifend unterschätzt, welchen Druck ich mir selbst mit meiner Challenge aufbaue. Aber hey – wenn dieses Scheitern notwendig ist, um mir die Erkenntnis zu geben, die ich im Fazit zusammengefasst habe, dann hatte es doch auch etwas gutes. Oder was sagst du dazu? :) 

2 Responses to “Die Blogger-Challange: Ein Zwischenfazit

  • Hallo Jessika,

    ich finde nicht, dass Deine Challenge gescheitert ist. Du beurteilst das sehr streng. Auch wenn Du nicht jeden Tag einen Kommentar schreibst – die Challenge hat Dich und andere dazu gebracht, über ihr Kommentierverhalten nachzudenken. Jeder Kommentar, der durch Deine Aktion mehr geschrieben wird, ist ein Gewinn!

    Viele Grüße
    Biene

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