Home Office oder externes Büro?

Neulich, an einem Montagmorgen: Mein Freund und ich hatten das Wochenende bei seinen Eltern verbracht und sind nicht wie gewohnt am Sonntagabend, sondern am nächsten Tag nach Hause gefahren. Nach einer angenehmen Fahrt auf der Autobahn stockte der Verkehr plötzlich in einem Erfurter Vorort. Unfall? Blitzeis? Nein, der ganz normale Wahnsinn, auch bekannt als Berufsverkehr. Die Situation, die eigentlich ärgerlich sein sollte, zauberte mir ein Lächeln ins Gesicht. Ich lehnte mich entspannt zurück und dachte für mich: „So ist es also, wenn man einen ganz normalen Arbeitsweg hat. Was für ein Glück, dass heute eine Ausnahme ist.“ Denn tatsächlich habe ich sonst gar keinen Arbeitsweg. Ich arbeite im Homeoffice.

Homeoffice

Der Luxus, sein Geld von zuhause aus verdienen zu können

Das Internet ist voll mit Angeboten und Anzeigen, die die Heimarbeit glorifizieren und ihr beste Verdienstmöglichkeiten zusprechen. „Kinderleicht 1000 Euro pro Tag verdienen – bequem von zuhause aus“ und ähnliche Headlines laden nicht nur zum Schmunzeln ein, sondern sind ganz offenkundig Quatsch. Denn eines ist klar: Ob ich nun in einem externen Büro oder meinem Wohnzimmer sitze – ich muss überall die gleiche Arbeit abliefern, um mein Geld zu verdienen.

Trotzdem gebe ich gern zu, dass das Arbeiten im Home Office überaus komfortabel ist. Ich liebe den Luxus, keinen Arbeitsweg zu haben, denn das bedeutet für mich vor allem eines: Weniger Stress am Morgen. Während sich andere ins Auto setzen oder aufs Fahrrad schwingen, mache ich es mir noch einmal gemütlich und bereite mich seelisch und moralisch auf den anstehenden Arbeitstag vor. In der Zeit, in der andere hupend und schnaubend im Verkehr stecken bleiben, mache ich mich entspannt auf den Weg zum Schreibtisch – und das, ohne einen Fuß vor die Tür gesetzt zu haben.

Das wichtigste am Home Office ist für mich, dass ich in einer Umgebung arbeite, in der ich mich wohlfühle. Ich hatte durchaus schon Jobs und Praktikumsstellen, bei denen das nicht so war. Die Arbeit wurde dann sehr schnell zur Qual, mit der ich überwiegend Negatives verbunden habe. Heute ist das anders. Ich habe meinen Arbeitsplatz im Wohnbereich der Wohnung und kann jederzeit einen kleinen Ausflug auf die Dachterrasse machen. Es stimmt schon: Von zuhause aus zu arbeiten, hat etwas sehr Bequemes, was durchaus den Anschein erweckt, sein Geld leichter (und schneller?) zu verdienen.

Die Schattenseiten vom Home Office

Das ist aber auch nur an guten Tagen so. Der Vollständigkeit halber muss nämlich auch erwähnt werden, dass die Arbeit im Home Office nicht immer einfach ist. Das Haupt-Problem: Die Ablenkung, die hier an jeder Ecke lauert. Wenn ich während des Schreibens den Blick durch die Wohnung schweifen lasse, kann es durchaus passieren, dass dieser kurz am Wäscheständer, dem Fernseher oder dem Sofa hängen bleibt. Die dazugehörigen Gedanken („Oh, die Wäsche muss abgenommen werden.“, „Was läuft heute eigentlich in der Glotze?“, „Puh, jetzt ein kleines Nickerchen…“) sorgen dann schnell dafür, dass ich aus meinem Workflow gerissen werde.

Was dagegen hilft? Disziplin und Übung. Ich bin der festen Meinung, dass nicht jeder Mensch für das Home Office geschaffen ist. Wer sich für die Heimarbeit entscheidet, muss sich selbst tüchtig in den Hintern treten und dafür sorgen, sich jeden Morgen aufs Neue zu motivieren, „zur Arbeit zu gehen“. Wie ich das schaffe, möchte ich mit dem folgenden Tipps zusammenfassen.

3 Tipps für erfolgreiches Home Office

  1. Schaffe dir routinierte Abläufe und feste Arbeitszeiten: Auch wenn viele andere digitale Nomaden den Vorzug genießen, ausschließlich dann zu arbeiten, wenn ihnen der Sinn danach steht, bin ich kein großer Fan davon. Ich gehe lieber den klassischen Weg und halte mich an meine (selbst gewählten) Arbeitszeiten. Das verpflichtet ein Stück weit, sich zu einer bestimmten Uhrzeit an den Schreibtisch zu setzen und diesen acht oder neun Stunden später wieder zu verlassen. Übrigens: Auch eine feste Mittagspause gehört zu meiner Routine.
  2. Mache dir klar, dass du arbeitest: Auch wenn dieser Tipp vielleicht banal klingt, ist er doch in meinen Augen sehr wichtig. Denn nur, wenn du das Gefühl hast, an der Arbeit zu sein, bist du es auch wirklich. Dieser Hinweis ist umso wichtiger, wenn sich dein Home Office (wie in meinem Fall) nicht in einem separaten Raum befindet, sondern ein Teil des Wohnzimmers ist.
  3. Genieße die Vorteile bewusst: Mir hilft es immer sehr, wenn ich mir bewusst mache, wie viel Glück ich doch habe, von zuhause aus arbeiten zu können. Das motiviert mich enorm und verleiht mir einen regelrechten Kreativitäts-Schub. Denn wo könnte man einer kreativen Arbeit wie dem Schreiben besser nachgehen als an einem Ort, an dem man sich pudelwohl fühlt? :)

Und wenn das alles nicht funktioniert?

So schön das Arbeiten im Home Office auch ist, für viele ist es keine dauerhafte Lösung. Während sich die einen hier einfach nicht konzentrieren können, wollen sich die anderen weiterentwickeln. So oder so – die Suche nach einem externen Büro ist häufig unvermeidbar.

Ich habe es erst letztens bei meinem Freund (auch Selbstständiger) gemerkt, dass das Finden von einem geeigneten Büro in einer Stadt wie Erfurt gar nicht so einfach ist. Ruhige Lage, ausreichend Platz, nicht zu dunkel, in der Nähe der Wohnung… die Liste der Auswahl-Kriterien war lang – ebenso wie die Suche nach dem perfekten Büro.

Tipp: Neben den typischen Immo-Suchseiten gibt es auch Homepages, die sich auf Gewerbeimmobilien spezialisiert haben. Ein Beispiel hierfür ist JLL. Der Anbieter legt den Fokus klar auf Büros und Hallen und erleichtert die Suche nach den idealen Gewerberäumen damit enorm.

Home Office und externes Büro im Vergleich

Vorteile Nachteile
Home Office
  • Wegfall des Arbeitswegs
  • kreative Entfaltung
  • Wohlfühl-Atmosphäre
  • Wegfall von Kosten
  • Vermischen von Arbeit und Privatleben
  • Hohes Ablenkungspotential
externes Büro
  • Trennung von Arbeit und Privatleben
  • Weiterentwicklungsmöglichkeiten
  • Repräsentative Räumlichkeiten
  • Vereinfachung bei Steuerangelegenheiten
  • erhöhte Kosten
  • längerer Arbeitsweg
  • zusätzliche Verpflichtungen

Unterm Strich kann gesagt werden, dass sich die Nachteile sowohl beim Home Office als auch beim externen Büro in Grenzen halten. Ein überaus positives Fazit, wie ich finde. Auch wenn ich mich im Moment sehr wohl im Heim-Büro fühle, schließe ich es auch nicht aus, mich irgendwann in ein externes Büro einzumieten. Man weiß nie, wohin die Reise gehen wird :) Und dann gibt es da ja auch noch die „Zwischen-Form“ Co-Working Space…

9 Responses to “Home Office oder externes Büro?

  • Hallo Jessica,

    Homeoffice kann sich einsam anfühlen, jedenfalls wenn es da keine anderen Menschen oder Katzen gibt. Finde ich aber trotzdem noch besser als Pendeln in der Großstadt mit Bus und Bahn. Im Winter. Dunkeln. Das habe ich 10 Jahre lang gemacht und ich vermissen nichts.

    Homeoffice ist schön. Inzwischen finde ich die Trennung zwischen Beruf und Privates auch gar nicht mehr wichtig. Im Gegenteil. Nach etlich Bürojahren steht mir mehr der Sinn danach, alles zusammenzulegen. Am besten in einem Loft. Schließlich bin ich auch nur EINE Person, warum soll ich mich da aufteilen in zwei Bereiche oder Funktionen.

    Aber OK, das war früher so nicht. Da musste ich mich erst justieren, verschiedene Formen ausprobieren …

    Mein Kommentar ist Teil einer Challenge #ConterestCommentsChallenge

    • Hey Sven, danke für deinen Kommentar und deine Verlinkung :) Du hast Recht, es kann einsam sein, aber ganz oft genieße ich das auch. Es gibt einem die Möglichkeit, extrem konzentriert und effektiv zu arbeiten. Wenn mich meine soziale Ader übermannt, setze ich mich gern mal in ein Café oder arbeite im Büro meines Freundes (auch selbstständig). Den Aspekt, auch nur eine Person zu sein und sich nicht aufteilen zu wollen, finde ich sehr interessant. Es verleiht dem Home Office irgendwie noch mal eine ganz andere Dimension – die der in sich geschlossenen Einheit, die einen Menschen als ganzes repräsentiert. Gefällt mir sehr gut :)

      Viele Grüße,
      Jessika

  • Hallo Jessika,

    ein schöner Artikel mit all den Sonnen- und Schattenseiten eines Home-Office-Daseins :-) Meiner Meinung nach fehlt noch ein – nicht ganz unwesentlicher – Punkt auf der Contraseite: der fehlende (direkte) Austausch mit Kollegen und Kolleginnen. Ich habe mir meine Arbeit so eingeteilt, dass ich einen Teil der Woche von zu Hause aus arbeite und den anderen (Haupt-)Teil von meinem Büro aus. Im Büro schätze ich es besonders, bestimmte Themen mit Gleichgesinnten auszutauschen und dadurch oft neue Inspirationen zu erhalten.

    Deinen Blog habe ich übrigens dank #ConterestCommentsChallenge entdeckt :-)

    Liebe Grüße Birgit

    • Hey Birgit,

      das stimmt, die Sache mit dem Austausch ist wirklich schwierig. Da bin ich froh, dass ich mir ein gutes Netzwerk aus Bloggern und Autoren aufbauen konnte, mit denen ich über spezifische Themen sprechen kann. Aber face to face ist natürlich immer noch einmal etwas ganz anderes.

      Liebe Grüße zurück,
      Jessika

  • Liebe Jessika,

    vor allem den Punkt „Mache dir klar, dass du arbeitest!“ kann ich zu 100% unterschreiben. Das ist ein unglaublicher Mindshift, den ich bei meinen KundInnen (meist sind es Frauen, die das nicht so verinnerlicht haben…) immer wieder beobachte. Und damit geht vieles leichter.

    Sonnige Grüße aus Wien,
    Claudia

    • Hey Claudia,

      ja – so einfach und trotzdem keine Selbstverständlichkeit. Deine Homepage klingt interessant. Werde mal vorbeischauen, vielleicht kann ich mir ja noch ein paar weitere Tipps von dir abholen :)

      Beste Grüße aus Erfurt,
      Jessika

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