In 10 Schritten zur Freiberuflichkeit

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Seitdem ich freiberuflich als Autorin in Erfurt arbeite, habe ich immer wieder Kontakt zu „Gleichgesinnten“ und Leuten, die ebenfalls über eine Selbstständigkeit (beziehungsweise Freiberuflichkeit) nachdenken. Nicht selten entstanden aus diesen Kontakten kleine bis mittelgroße „Beratungsgespräche“, in denen ich von meinen bisherigen Erfahrungen berichten und Tipps geben konnte. Auch wenn ich mich selbst keinesfalls als Expertin auf diesem Gebiet betrachte, möchte ich dir dennoch gern in diesem Beitrag zeigen, wie mein Weg in die Freiberuflichkeit – Schritt für Schritt – ausgesehen hat.

#1 Kunden akquirieren

Du hast die Geschäftsidee des Jahrhunderts, aber noch keinen einzigen Kunden, der sich dafür interessiert? Immer schön langsam. Für mich stand von Anfang an fest, dass ich keine Arschbombe ins kalte Freelancer-Wasser wagen würde. Das bedeutet: Ich habe mich durch einen ersten (kleinen) Kundenstamm abgesichert, ehe ich meine Freiberuflichkeit angemeldet habe. Das kann ich auch dir nur wärmstens ans Herz legen. Sich selbstständig machen und dann erst einmal darauf warten, dass die Kunden kommen, ist geschäftlicher Harakiri.

#2 Freiberuflichkeit anmelden

Sind die ersten Kunden da, kann es endlich losgehen. Die Anmeldung einer Freiberuflichkeit beim Finanzamt ist erstaunlich einfach. Du musst einfach nur ein formloses Schreiben aufsetzen, in dem du beschreibst, wer du bist und was du (beruflich) machst (Klassifizierung der freien Berufe beachten!!!). Außerdem weist du darauf hin, dass dir (falls noch nicht vorhanden) eine Steuernummer zugewiesen werden muss.

#3 Fragebogen vom Finanzamt ausfüllen und zurückschicken

Im Anschluss an deine formlose Anmeldung wirst du einen umfangreichen Fragebogen vom Finanzamt erhalten. Dieser hat bei mir erstmals Schweißausbrüche verursacht. Während viele Angaben sehr offensichtlich und daher kein Problem sind, haben andere zum Haare raufen geführt. Ich habe das große Glück, eine Steuerberaterin zu meinen Freunden zählen zu dürfen. Diese musste mir beim Fragebogen erstmals unter die Arme greifen. Ich rate auch dir, dir frühzeitig eine kompetente Hilfe zu organisieren, die du auch mal spontan um Rat beten kannst.

Ist der Fragebogen schließlich ausgefüllt, kannst du ihn wieder zurückschicken. Danach erhältst du deine Steuernummer, mit der du bemächtigt bist, Rechnungen zu schreiben. Es kann also direkt losgehen.

#4 Nachweis für die Freiberuflichkeit anfordern

Auch wenn dieser Schritt bei mir erst später kam, möchte ich ihn gern nach vorne ziehen – ganz einfach, weil ich selbst froh gewesen wäre, den Nachweis für meine Freiberuflichkeit schon an dieser Stelle angefordert zu haben. Auch in diesem Fall kannst du wieder ganz formlos und locker agieren.  Rufe einfach bei deinem Finanzamt an oder schicke eine Mail, in der du um einen Nachweis in Schriftform bittest. Dieser ist für die folgenden Schritte von Bedeutung.

#5 Geschäftskonto eröffnen

Auch wenn dein Business am Anfang noch so klein ist – lege dir sofort ein Geschäftskonto zu. Sobald sich deine privaten und beruflichen Einnahmen und Ausgaben vermischen, ist Chaos vorprogrammiert. Spätestens, wenn es um die ersten Buchhaltungs-Aktivitäten geht, wirst du dir wünschen, ein entsprechendes Geschäftskonto eröffnet zu haben. Wenn du noch nicht weißt, welches Geschäftskonto das passende für dich ist, solltest du mal auf der Seite Junge Gründer vorbeischauen. Hier gibt es einen ziemlich umfangreichen Vergleich.

Tipp: Vergiss nicht, dich auch gleich für Online-Banking freischalten zu lassen. Ohne geht gar nichts.

#6 Krankenversicherung klären

Während sehr viele Freiberufler und Selbstständige privat versichert sind, bin ich aus gesundheitlichen Gründen in der gesetzlichen Krankenversicherung geblieben. Dennoch war es wichtig, mitzuteilen, dass ich ab sofort als Freiberufler arbeiten werde. Da ich zum Beginn meiner Freiberuflichkeit noch keinen Einkommensnachweis vorlegen konnte, wurde ich zunächst erstmal in der geringsten Verdienststufe untergebracht. Grundsätzlich besteht ein Deutschland eine KrankenversicherungsPFLICHT!

#7 Versicherungen abschließen

Krankenversicherung schön und gut, doch was ist mit Unfall, Haftpflicht- und vor allen Dingen Berufsunfähigkeitsversicherung? Wer sich als Selbstständiger nicht ausreichend versichert, ist meiner Meinung nach lebensmüde. Mir war in diesem Zusammenhang auch sehr wichtig, bereits ans Alter zu denken und eine private Vorsorge abzuschließen. Welche Versicherungen im Detail du benötigst und welche eher nicht, wird dir dein Versicherungsberater am besten erklären können.

#8 Elsterformular installieren und registrieren

Im Land der Bürokratie ist es nicht verwunderlich, dass die ersten Buchhaltungstätigkeiten nicht lang auf sich warten lassen, wenn du dich erst einmal freiberuflich gemacht hast. Hierfür ist das ELSTER-Formular – ein elektronisches Angebot vom Finanzamt – unverzichtbar. Das Tolle hieran: Du trägst deine Daten in verschiedene Formulare ein, diese werden automatisch überprüft und anschließend direkt ans Finanzamt geschickt. Ich persönlich finde das ziemlich einfach und komfortabel. Im Vorfeld der Nutzung musst du dich allerdings erst einmal registrieren. Plane hierfür unbedingt ein paar Tage Bearbeitungszeit ein.

Mit dem ELSTER-Formular kannst du unter anderem folgende Dokumente einreichen:

  • Umsatzsteuer-Voranmeldung
  • Frist-Verlängerungen
  • Einkommenssteuererklärung

#9 Webseite anlegen

Wann genau der richtige Zeitpunkt für die Erstellung deiner Webseite ist, musst natürlich du selbst bestimmen. Manchen Menschen ist diese eigene Seite so wichtig, dass sie ganz oben auf der Prioritäten-Liste steht. Ich wollte hingegen erst einmal alle bürokratischen Punkte abarbeiten, ehe es ans Eigenmarketing ging. Meine Unternehmens-Seite (auf der du dich gerade befindest) basiert auf WordPress. Das Content Management-System bietet alles, was wenig technik-affine Menschen wie ich brauchen, um eine Internetseite zu betreiben und mit Leben zu füllen.

Tipp: Ein eigener Blog ist meiner Meinung nach für Freelancer ein Muss. Warum ich so denke? Das kannst du in diesem von mir geschriebenen Beitrag auf getlaunched.io nachlesen.

#10 Aufträge an Land ziehen

Bleibt zu guter Letzt eigentlich nur ein Schritt zu nennen: Mache dich präsent, knüpfe Kontakte und ziehe aufregende Aufträge an Land, die deinen Arbeitsalltag bereichern und deine Kassen füllen. Mein ganz persönlicher Tipp, der diesen Beitrag auch gleichzeitig abschließen soll, lautet: Mache nichts, was dich nicht glücklich macht. Ich fahre bisher sehr gut mit dieser Taktik.

 

 

 

Trackbacks & Pings

  • #GründerTipp: Finde dein eigenes Tempo! | JF Texte :

    […] auch die neue Kategorie #GründerTipps hier auf meinem Blog). Nach zwei Jahren als „reine“ Freiberuflerin habe ich zum 1. Juni 2017 ganz klammheimlich ein Gewerbe angemeldet. Natürlich nicht aus Jux und […]

    5 Monaten ago

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