#Schreibtipps: Das perfekte Ende

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Vor einer Weile habe ich hier auf meinem Blog einen Beitrag über den perfekten Text-Beginn verfasst. Da zu einem Anfang allerdings auch ein Ende gehört, werde ich heute ein paar Worte über den perfekten Schluss schreiben.

Die Macht der letzten Worte

Auch wenn ein Text bereits alles gesagt hat, was gesagt werden musste, hat auch der Schluss Aufmerksamkeit verdient – immerhin ist er eine tolle Möglichkeit, um den Leser zu entlassen und ihm ein bestimmtes Gefühl oder einen speziellen Gedanken mit auf den Weg zu geben. Ein gut formuliertes Ende schafft es, dem gesamten Text ein hohes Maß an Nachdruck zu verleihen. Dementsprechend ist es wichtig, es nicht stiefmütterlich zu behandeln, sondern auch die letzten Worte mit Bedacht zu formulieren.

Methode #1: Die Quintessenz

Es ist ziemlich beliebt, den letzten Absatz zu nutzen, um das bereits Gesagte beziehungsweise Geschriebene nochmals auf den Punkt gebracht zusammenzufassen. Diese Methode hat mehrere Vorteile:

  • Dem Leser werden die wesentlichen Punkte noch einmal mit Nachdruck in Erinnerung gerufen
  • Der Autor kann gezielt auf die Quintessenz des Inhaltes verweisen
  • Der Text wird auf harmonische Weise aufgegriffen und abgeschlossen

Ein zusammenfassender Schluss eignet sich vor allem, wenn der Text extrem lang und/oder komplex ist.

Methode #2: Der Ausblick

„Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.“ – Dieser ziemlich bekannte Schlusssatz ist ein hervorragendes Beispiel für den Ausblick. Ziel dieser Methode ist es, dem Leser einen Blick in die Zukunft zu gewähren und somit einen Schritt über die Grenzen des Textes hinauszugehen.

Der Ausblick eignet sich selbstverständlich nicht nur für Märchen, sondern auch alle anderen Genres, Schreibstile und Textarten. Das Gute an ihm ist, dass er dem Leser suggeriert, noch ein bisschen mehr als nötig erfahren zu haben. Der Ausblick ist also eine Art kleines Extra, das dem Leser am Ende vom Text serviert wird.

Tipp: Diese Methode eignet sich gut, um eine besonders wichtige, interessante oder witzige Info am Ende zu betonen.

Außerdem ist es möglich, den Ausblick in eine Art Gedankenexperiment zu verwandeln. Als Autor hat man dann die Möglichkeit, ein Was-wäre-wenn-Szenario durchzuspielen und dem Text somit eine interessante Stimmung zu verleihen.

Das bedeutet wiederum, dass der Ausblick nicht immer faktisch belegt werden muss, sondern auch eine Prognose oder Spekulation sein kann.

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Methode #3: Das offene Ende

In Filmen wird gern ein offenes Ende eingesetzt, um die Phantasie der Zuschauer anzuregen. Dadurch hat jeder die Möglichkeit, sich selbst zu überlegen, wie die Geschichte ausgeht.

In einigen Fällen eignet sich dieses Stilmittel auch bei Texten. Besonders Beiträge, die im Storytelling-Stil verfasst wurden, können am Schluss bewusst offen gehalten werden.

Tipp: Wer den Denkapparat seiner Leser zusätzlich anregen will, kann den Text auch mit einer (provokativen) Frage abschließen.

Methode #4: Der Rahmen

Ich persönlich finde es toll, wenn der Schluss von einem Text den Anfang noch einmal aufgreift und beide Teile somit einen Rahmen bilden. Der Beitrag wirkt auf diese Weise in sich geschlossen und besonders harmonisch.

Diese Möglichkeit, einen Text zu beenden, kann auf unterschiedliche Weise umgesetzt werden:

  • Eine Geschichte, die zu Beginn angerissen wird, wird zuende erzählt
  • Eine eingangs gestellte Frage wird beantwortet
  • Eine Aussage vom Anfang wird am Ende (leicht abgeändert) wiederholt
  • Ein Motiv/eine Symbolik wird wieder aufgegriffen

Die unterschiedlichen Möglichkeiten erzielen natürlich auch immer ganz unterschiedliche Effekte. Je nach Wunsch kann der Rahmen dem Leser intensiv oder unterschwellig bewusst gemacht werden.

Methode #5: Das Fazit

Auch hierbei handelt es sich ähnlich wie bei der Zusammenfassung um ein typisches Ende. Beim Fazit geht es allerdings nicht nur darum, das Thema nochmals zusammenzufassen, sondern es zu bewerten und in einen Kontext zu bringen.

Diese Methode ist auch beim Leser sehr beliebt, weil sie ihm die Möglichkeit gibt, das Gelesene besser zu verarbeiten. Das Fazit ist in gewisser Weise so etwas wie ein gedanklicher Wegweiser.

Tipp: Mit dem Fazit kann beim Leser immer auch eine gewisse Stimmung zum entsprechenden Thema hergestellt werden. Daher sollte man die Worte als Autor immer mit Bedacht wählen.

Methode #6: Das Sprichwort

Diese Methode ist perfekt, wenn man dem Schluss noch den letzten Pfiff verleihen will, aber einfach keine passenden Worte findet.

Sprichwörter erwecken immer ein Gefühl von Vertrautheit und werden daher – passend eingesetzt – vom Leser als sehr angenehm empfunden. Darüber hinaus können sie dem Text immer nochmal eine spezielle Note, beispielsweise eine nachdenkliche, witzige oder kritische, verleihen. Ich persönlich finde, dass das Sprichwort am meisten Nachdruck erhält, wenn es in den letzten Satz gepackt wird.

Tipp: Sprichwörter sind tückisch. Nicht immer entspricht das, was einem als Autor als erstes in den Sinn kommt, der richtigen Redensart. Eine kurze Google-Suche oder ein Nachschlagen im Sprichwörter-Lexikon schafft Sicherheit und vermeidet Peinlichkeiten.

Das Beste kommt zum Schluss

Das Ende gehört genauso zum Text wie der Anfang. Als Autor sollte man ihm daher mindestens genauso viel Aufmerksamkeit schenken – auch wenn er nicht von allen Lesern wahrgenommen wird.

Die, die jedoch bis zum Ende durchhalten, werde es auch honorieren, wenn sie ein gleichbleibendes Niveau vorfinden und auf angenehme Weise aus dem Text geleitet werden. Das Beste kommt immerhin zum Schluss.

Fotos: pixabay.com

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