#Schreibtipps: Der perfekte Anfang

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Ein guter Text ist ein Gesamt-Kunstwerk. Wer etwas von seinem Handwerk versteht, weiß genau, welche Worte an welcher Stelle gewählt werden müssen, um den Leser mit auf eine spannende Reise zu nehmen. Gute Texte fesseln den Leser – und zwar von Anfang bis Ende. Es versteht sich von selbst, dass ein Text, der schwach beginnt, nur wenige Leser im weiteren Verlauf begeistern wird. Wer mit seinem Beitrag Aufmerksamkeit erregen will, sollte also ganz genau überlegen, welche Worte er für den Anfang wählt.

 

Wenn ich von mir selbst ausgehe, dann ist das nicht immer ganz einfach. Tatsächlich finde ich, dass die ersten Worte eines Textes – die, die den Leser abholen und in ein Thema einführen sollen – die schwierigsten sind. Damit der Start nicht zur Stolperfalle wird, setze ich verschiedene Methoden ein. Ein paar davon will ich hier vorstellen.

 

Methode #1: Der Trichter

 

Der Trichter eignet sich hervorragend, um damit ein sehr spezielles Thema einzuleiten. Ziel ist es, den Inhalt des Textes – beispielsweise das Social Network Snapchat – zunächst einmal als Teil eines übergeordneten Themas zu betrachten. Demzufolge beginnt der Text mit einer allgemeinen Erklärung von sozialen Netzwerken und wird anschließend immer spezieller, bis schließlich Snapchat auf die Bühne tritt. Auf diese Weise wird der (uninformierte) Leser schonend an das Thema herangeführt. Das Bild des Trichters veranschaulicht diese Herangehensweise sehr gut.

 

Wichtig: Die Trichter-Methode eignet sich isbesondere, wenn die Zielgruppe (beispielsweise die Stammleserschaft eines Blogs) nur wenig Vorwissen zu dem entsprechenden Thema hat. Soll heißen: Wer für einen Onlinemarketing-Blog schreibt, muss nicht erst erklären, was es mit sozialen Netzwerken auf sich hat, wenn Snapchat thematisiert werden soll.

 

Übrigens funktioniert das Trichter-Prinzip auch anders herum. So kann Snapchat als derzeit sehr beliebtes und schnell wachsendes Netzwerk genutzt werden, um einen konkreten Einstieg in das breite Thema Social Media zu finden.

 

Weitere Beispiele für die Trichter-Methode

  • Christliche Bräuche > Adventszeit > Nikolaus
  • Hobbys > Sammelleidenschaften > Münzen sammeln
  • Bloggen > Herausforderungen > Fotografie bei schlechtem Licht

 

Methode #2: Der Bäääm!-Satz

 

Ich liebe es, Texte mit einem Statement zu eröffnen. Warum das so ist, dürfte auf der Hand liegen: Wer seinen Beitrag mit einem Bäääm!-Satz beginnt, holt den Leser sofort auf seine Seite. Obwohl dieser Trick so einfach ist, wird er selten ganz gezielt eingesetzt.

 

Was genau einen Bäääm!-Satz ausmacht, hängt natürlich sehr vom jeweiligen Schreibstil ab. Autoren, die von Haus aus sehr mutig und experimentell schreiben, müssen natürlich mehr Gas geben als konservative Schreiberlinge. Um dem Satz noch mehr Wirkung zu verleihen, ist es immer empfehlenswert, die folgenden Wörter ein bisschen zurückzunehmen, aber dennoch so zu wählen, dass der Leser nicht enttäuscht wird.

 

So wird der Satz zu einem Bäääm!-Satz:

  • Durch starke Wörter (beispielsweise mein „Gesamt-Kunstwerk“ zu Beginn dieses Beitrags)
  • Durch einen interessanten Fakt (hierbei funktionieren prägnante Zahlen sehr gut)
  • Durch eine provokative Aussage oder Frage (das kann ruhig eine fragwürdige These sein, die im Laufe des Textes widerlegt wird)
  • Durch die direkte Ansprache des Lesers

 

VERSALIEN und Ausrufezeichen! am Ende sind hingegen kein Garant für einen echten Statementsatz.

 

Methode #3: Die Vorschau

 

Diese Methode ist dem Bäääm!-Satz sehr ähnlich, denn auch hierbei gilt es, einen prägnanten Satz in der Einleitung zu verpacken. Dieser muss jedoch nicht an erster Stelle stehen, sondern kann beliebig platziert werden. Wichtig ist, dass der Satz eine hochinteressante Aussage enthält, die im Beitrag genauer erklärt oder vertieft wird. Es gilt also, den Leser in gewisser Weise anzufüttern und ihm eine spannende Vorschau auf den Text zu liefern.

 

Die Vorschau funktioniert am besten, wenn die folgende Regel beachtet wird:

So viel wir nötig, so wenig wie möglich.

 

Das bedeutet: Die Vorschau sollte so knapp wie nur möglich gehalten werden, aber dennoch „Hunger“ auf den Text machen. Sinnvoll ist es außerdem, wenn die Vorschau erst dann ausformuliert wird, wenn der Hauptteil des Textes schon fertig ist. Dann kann eine Aussage in der Einleitung übernommen und im Hauptteil mit „Wie eingangs bereits erwähnt wurde“ versehen werden und schon wurde ein toller Bogen geschlagen.

 

Schreibtipps

 

Methode #4: Fragen

 

Der Anfang eines Textes kann auch relativ einfach durch Fragen aufgewertet werden. Ziel ist es, dem Leser durch gezielte Fragestellungen mitzuteilen, was ihn alles im folgenden Text erwarten wird.

 

Hier ist es ebenfalls von Vorteil, wenn der Hauptteil vorher geschrieben wird – es sei denn, es steht schon genau fest, worum es gehen soll.

 

Wichtig: Die Fragen sollten natürlich immer akzentuiert eingesetzt werden. Eine Einleitung, die nur aus Fragen besteht, bietet dem Leser keinen Haltepunkt. Dementsprechend würde er sich unsicher fühlen und wahrscheinlich abspringen.

 

Methode #5: Das Gedankenexperiment

 

Diesen Trick finde ich persönlich absolut spannend. Schade, dass er nur bei wenigen Texten funktioniert.

 

Tatsächlich ist das Gedankenexperiment eine sehr spezielle Methode, mit der der Leser auf eine Reise geschickt wird. Ziel ist es, mit Worten Bilder zu malen und somit beispielsweise den Einstieg in ein abstraktes oder weit entferntes Thema zu finden.

 

Um die entsprechende Wirkung zu erzielen, lohnt es sich immer, ein Gedankenexperiment anzukündigen oder einzuleiten. Auf diese Weise kann sich der Leser noch besser auf das Kommende einstellen.

 

Beispiele für den Beginn eines Gedankenexperimentes:

  • Stellen Sie sich vor, …
  • Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, …
  • Angenommen, Sie würden morgen früh aufwachen und …

 

Ich habe ganz bewusst die direkte Ansprache des Lesers gewählt, weil das Gedankenexperiment damit noch besser funktioniert. Natürlich kann auch eine neutrale (oder weniger förmliche) Ansprache genutzt werden.

 

Wie bereits erwähnt, eignet sich diese Methode jedoch nicht für jeden Text. Sehr nüchterne oder faktische Beiträge lassen sich hiermit nur schwer eröffnen. Wer jedoch mit Storytelling arbeitet oder einfach gern experimentiert, sollte das Gedankenexperiment auf jeden Fall einmal ausprobieren. Es macht Spaß!

 

Tipp: Je detaillierter und facettenreicher die Worte gewählt werden, desto besser lässt sich der Leser an den Beitrag fesseln (ganz wie bei einem Roman). Es lohnt sich also, ein bisschen mehr Energie in den Anfang des Textes zu stecken.

 

Methode #6: Stakkato-Sätze

 

Viele Autoren (ich schließe mich hier definitiv nicht aus) lieben lange Sätze. Ob das gut oder schlecht ist, soll an dieser Stelle nicht weiter thematisiert werden. Mir geht es vielmehr um einen anderen Aspekt. Getreu dem Motto „In der Kürze liegt die Würze“ versprühen kurze, stakkatoartige Sätze ihren ganz eigenen Reiz und eine fesselnde Dynamik. Sie lassen sich also hervorragend ganz gezielt einsetzen, um einen Text auf eine interessante Weise einzuleiten.

 

Tipp: Auch der Wechsel von kurzen und langen Sätzen wirkt sich dynamisch auf den Beginn eines Textes aus. Ich habe versucht, diese Technik in den ersten vier Sätzen dieses Blog-Beitrags anzuwenden und hoffe, dass es mir gelungen ist, ein paar Leser bis hier her an den Text zu fesseln 😉

 

 

Wie leitet ihr eure Text ein? Welche Tipps und Tricks gefallen euch besonders gut? Ich freue mich auf eure Kommentare!

 

Trackbacks & Pings

  • 5 App-Tipps für Freelancer & Blogger | JF Texte :

    […] Linie für Grob-Entwürfe und Beiträge, die allmählich wachsen (so wie mein letzter über den perfekten Beginn eines Textes). Es gab aber auch schon Blogposts, die ich komplett über die App von WordPress erstellt habe […]

    2 Jahren ago
  • #Schreibtipps: Das perfekte Ende | JF Texte :

    […] einer Weile habe ich hier auf meinem Blog einen Beitrag über den perfekten Text-Beginn verfasst. Da zu einem Anfang allerdings auch ein Ende gehört, werde ich heute ein paar Worte über […]

    2 Jahren ago
  • #SchreibTipps: Texte griffiger machen | JF Texte :

    […] Auswirkungen eine solche Feinjustierung haben kann, wird deutlich, wenn du dir den Anfang von diesen Beitrag noch einmal durchliest und dir dann die „erste Fassung“ davon anschaust. Diese sah […]

    2 Jahren ago

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