#Schreibtipps: Die Beitragsstruktur

Sucht man im Internet nach Tipps, die einem helfen, Texte SEO-freundlich zu gestalten, stolpert man immer wieder über eine Aussage: Strukturiere den Beitrag und verleihe ihm Varianz, indem du mit Absätzen, Auflistungen, Tabellen und Formatierungen arbeitest. Auch ich halte mich an diesen durchaus sinnvollen Tipp – muss aber auch immer wieder feststellen, dass es ein paar meiner (Blogger-)Kollegen ein bisschen zu gut meinen und gern auch einmal übertreiben. Ja, ein Text kann auch zu stark strukturiert sein!

 

Schreibtipp_beitragsstruktur

Das unruhige Text-Meer

Beiträge werden strukturiert, unterteilt und durch diverse Elemente aufgelockert, um der sogenannten Text-Wüste den Kampf anzusagen. Listen fassen Infos zusammen, Tabellen verschaffen einen guten Überblick, Bilder beleben den Text und Absätze sind sowieso unverzichtbar, wenn man den Leser nicht gleich zur Flucht animieren will.

Alles schön und gut, doch musst du auch immer bedenken, dass eine Beitragsstruktur durchaus auch übertrieben sein kann. Wenn sich Tabellen und Listen abwechseln und kaum ein Absatz länger als zwei Sätze ist, entstehen nicht nur mächtig viele weiße Flächen. Der ganze Text (oder das, was davon übrig ist), wirkt unruhig. Vergleiche deinen Beitrag in diesem Zusammenhang einfach mal mit einem Meer:

  • Keinerlei Struktur = Das Meer ist so ruhig, dass es dich langweilt. Du wünschst dir Abwechslung.
  • Eine gute Struktur = Das Meer weist eine Varianz auf und wird auf einmal interessant für dich.
  • Zu viel Struktur = Das Meer wird unruhig und entwickelt einen starken Wellengang. Du fühlst dich unwohl und willst hier weg.

Was ich damit sagen will: Natürlich ist es unverzichtbar, den Beitrag durch verschiedene Elemente zu gestalten. Nur sollte man es eben auf keinen Fall übertreiben.

 

Vom Massensterben der Leserschaft

Ich habe in meinem Journalismus-Studium etwas gelernt, was sich regelrecht in meinem Gehirn eingebrannt hat: Mit jedem Absatz springen Leser ab. Überlege dir also ganz genau, wann du einen wählst und ob es sich auch wirklich lohnt. Ich bin ein großer Fan dieses Tipps, denn auch ich erwische mich immer wieder dabei, dass ich an Stellen aussteige, an denen der Text eine Kurze „Absatz-Pause“ einlegt. Absätze sind eben beides:

  • Einstiege in den Text
  • Ausstiege aus dem Text

 

Bewusstes Gestaltungselement vs. blanke Willkür

Natürlich bin ich darum bestrebt, nicht jeden Text und jeden Autor über einen Kamm zu scheren. So sehe ich beispielsweise immer wieder Beiträge, die ganz bewusst mit dem Einsatz vieler Absätze spielen und diese zu einem aktiven Gestaltungsmerkmal werden lassen – zum Beispiel bei der Verschriftlichung eines Gesprächs oder einer einprägsamen Situation. In diesen Fällen ist es selbstverständlich absolut legitim, eine inflationäre Benutzung von Absätzen an den Tag zu legen…

… was nicht heißt, dass ich blanke Willkür gutheiße. Oben beschriebenes Szenario ist eben doch eher die Ausnahme und keinesfalls die Regel. Hat der Beitrag schlichtweg zu viele (unnötige) Absätze, erfüllt er einfach nicht meine Vorstellungen von Qualität. So leid es mir auch tut, aber es handelt sich dabei um einen Grund, die Seite wegzuklicken.

 

Auflistungen sinnvoll nutzen

In meinen Augen sind auch Auflistungen typische Sorgenkinder, die das Zeug haben, einen tollen Text zu vermurksen. Die Rede ist von Auflistung, die nur um ihrer selbst willen erstellt werden und gar keinen wirklichen Sinn haben. Ein schönes Beispiel hierfür sind verschachtelte Sätze, die durch Bullet Points scheinbar aufgeschlüsselt werden:

Wenn über das Thema persönliches Engagement gesprochen wird, dann gilt es zu beachten, dass Blogger

  • sowohl im Hinblick auf ihre Freizeit
  • als auch finanziell
  • und nicht zuletzt emotional

bereit sein müssen, Opfer zu bringen.

Sorry für dieses plumpe Beispiel, aber Plakativität macht nun einmal deutlich 😉 Ich selbst finde Listen nur dann sinnvoll, wenn auch tatsächlich (kurze) Fakten/Informationen aufgezählt werden sollen. Alles andere (siehe oben) stellt keine Erleichterung des Leseflusses dar, sondern erschwert diesen nur zusätzlich.

Weniger ist mehr

Fett, unterstrichen, kursiv, Tabellen, Listen, Absätze, Bilder, eingebettete Videos – es gibt viele Möglichkeiten, einen Text (optisch) zu gestalten und ihm eine Struktur zu verleihen. Nicht immer sind diese Möglichkeiten – in gebündelter Form – sinnvoll. Wer seine Leser auf angenehme Weise durch den Text führen will, sollte sich immer fragen, ob der Einsatz einer bestimmten Formatierung auch wirklich notwendig ist. Ganz wichtig ist in meinen Augen auch, jeden einzelnen Absatz infrage zu stellen. Auch hier sind Streichungen unter Umständen nützlich.

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