#SchreibTipps: Texte griffiger machen

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Was macht einen Text zu einem exzellenten Text? Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Was ich allerdings durchaus weiß, ist, dass Texte einem Feintuning unterzogen werden können, wenn man für gewöhnlich schon meint, dass sie fertig sind. Dann wird aus einem normalen Text unter Umständen auch ein exzellenter Text. Einer meiner liebsten Tricks in diesem Zusammenhang: Schwammige Wörter identifizieren und sie griffiger machen.

Die Gewöhnlichkeit des Wortes

Es ist absolut erstaunlich, was Sprache alles erreichen kann. Sie nimmt uns mit auf aufregende Reisen, lässt uns träumen und versetzt uns mit aller Brutalität einen Stich ins Herz. Sprache kann vieles – und vielleicht sogar alles – wenn man als Autor die richtigen Worte findet.

Zu sagen, dieses Wort sei gut und jenes schlecht, ist natürlich Käse. Ich bin allerdings der Meinung, dass es eine Reihe von Wörtern gibt, die durchaus als beliebig, austauschbar oder sogar nichtssagend bezeichnet werden können. Beispiele? Nichts lieber als das:

  • sehr: Das kleine Wörtchen „sehr“ wird sehr gern eingesetzt, um Aussagen unnötig zu steigern. Na, hast du es bemerkt? Das zweite „sehr“ ist absolut überflüssig.
  • wichtig: Eine wichtige Aussage mit Phrasen wie „Wichtig zu wissen ist…“ zu beginnen, ist zwar durchaus legitim, aber auch extrem vorhersehbar und daher wenig griffig.
  • gut: wenn etwas gut ist, dann hat es zum Prädikat „ausgezeichnet“ nicht gereicht. Es ist letztendlich also auch nur etwas Gewöhnliches.
  • schön: Gleiches gilt für das überaus beliebte Adjektiv „schön“. Hier wird ebenfalls Gewöhnlichkeit und Durchschnitt suggeriert.
  • eigentlich: „Eigentlich mag ich dich gern, aber…“ – Dieser Wort ist die richtige Wahl, wenn du vage Vermutungen und relativierende Aussagen formulieren willst. Mehr Grip erhält dein Text dadurch allerdings auf keinen Fall.
  • könnte: „könnte“ ist ein typisches Konjunktiv-Wort, das ähnlich wie „eigentlich“ gern zum Relativieren eingesetzt wird.

Wörter wie diese sind keinesfalls unverzichtbar. Sie sind aber auch keinesfalls unverwechselbar. Texte, die von gewöhnlichen Wörtern wie den oben genannten durchzogen sind, wirken schnell belanglos und schwammig. Als Leser langeweile ich mich oder steige sogar aus, wenn mir der Text zu monoton ist. Autoren sollten deswegen immer darum bemüht sein, ihre Werke mit regelmäßigen Highlights zu versehen. Diese lassen die Texte erstrahlen und verleihen ihnen ein Profil. Oder ganz banal ausgedrückt: Sie machen den Beitrag interessant.

Von der Belanglosigkeit zur Besonderheit

Auch ich lasse mich selbstverständlich immer wieder dazu hinreißen, meine Texte mit schwammigen Wörtern anzureichern. Der Grund? Es ist einfach und passiert daher meist von ganz allein. Jeder Autor hat diese Sammlung an Standard-Wörtern und Phrasen, denen er sich aus Bequemlichkeit immer wieder bedient. Das ist zwar komfortabel, aber keinesfalls dauerhaft wünschenswert. Deswegen führe ich bei meinen Texten immer wieder das Feintuning durch. Ziel ist es, den Text mit lingualen Perlen zu verzieren, die ihn lebendig werden lassen und den Leser an das fesseln, was ich geschrieben habe.

Welche Auswirkungen eine solche Feinjustierung haben kann, wird deutlich, wenn du dir den Anfang von diesen Beitrag noch einmal durchliest und dir dann die „erste Fassung“ davon anschaust. Diese sah folgendermaßen aus:

Was macht einen Text zu einem guten Text? Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Was ich allerdings weiß, ist, dass Texte einem Feintuning unterzogen werden können, wenn man schon meint, dass sie fertig sind. Dann wird aus einem guten Text unter Umständen auch ein sehr guter Text.

Prinzipiell hätte ich den Beginn schon so sein lassen können. Doch durch die Verwendung von Worten wie „exzellent“ oder „für gewöhnlich“ habe ich ihm ein zusätzliches Profil verliehen, was hoffentlich das Interesse vieler Leser geweckt hat. Auch im weiteren Verlauf dieses Textes habe ich immer wieder Highlights eingebaut, die den Beitrag griffiger werden lassen.

Diese Highlights lassen deine Texte erstrahlen:

  • Metaphern
  • sprachliche Bilder
  • selten genutzte Synonyme
  • alte („ungewöhnliche“) Ausdrücke
  • (abgeänderte) Sprichwörter
  • bewusste Wiederholungen
  • ausdrucksstarke Wörter
  • aktive Formulierungen

Ein zweiter Blick lohnt sich immer

Gut Ding will Weile haben. Dieses Sprichwort gilt auch für Texte. Wenn du nicht nur einen guten, sondern einen herausragenden Beitrag schreiben willst, solltest du deinen Text erst schreiben, dann eine Weile ruhen lassen und schließlich feinjustieren. Versuche, Wörter und Phrasen zu finden, die bei genauem Hinsehen gewöhnlich, belanglos oder auch selbstverständlich sind und ersetze sie durch eine Schreibe, die den Wörtern Dynamik, Kraft und eine Aussage verleihen.

Tipp: Nicht selten lohnt sich auch der Mut zum Kürzen. Texte können auch durch bewusstes Weglassen griffiger werden.

Wie sieht es bei dir aus? Wie schaffst du es, deine Texte griffiger zu machen? Ich freue mich über deine #Schreibtipps! :)

6 Responses to “#SchreibTipps: Texte griffiger machen

  • Oh, so viel Tipps! Speziell das Abwarten ist nicht so meins, dabei glaube ich, dass es optimal wäre! Oft genug schüttele ich ein paar Tage nach dem Schreiben eines Textes den Kopf über bestimmte Formulierungen…

    • Hey Tia,

      ja ich muss mich auch immer mal dazu zwingen, aber es bewirkt wirklich Wunder. Texte sind wie guter Wein… sie müssen reifen 😉

  • Hallo Jessika,

    danke für deine Tipps! Für mich habe ich vor allem deinen letzten Tipp entdeckt: Das Kürzen.

    Ich schreibe Texte mit maximal 100 Wörtern. Dabei fällt es mir nicht immer leicht, die Grenze einzuhalten, da ich oft noch mehr Infos im Text unterbringen könnte. Aber wenn ich dann fertig bin, bin ich immer wieder überrascht, wie viel Mehrwert der Text gerade durch seine Reduzierung erfährt.

    Also ich kann deinen Tipp nur bestätigen und werde jetzt auch noch mehr die anderen berücksichtigen :)

    Beste Grüße
    Peter von 100woerter.de

    • Hallo lieber Peter,
      100 Wörter-Texte?!?!? Wow, Respekt! Das ist wirklich EXTREM wenig. Deine Seite muss ich mir direkt einmal anschauen. Schön, wenn dir meine Tipps helfen konnten/können.

      Liebe Grüße,
      Jessika

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