„Du musst mehr von dir zeigen!“ Dieser Ratschlag für persönliches Content-Marketing klingt so lange ganz einfach bis man plötzlich selbst vor der Herausforderung steht und feststellt, dass mit Sichtbarkeit ziemlich viele Unsicherheiten einhergehen. Mache ich mich damit angreifbar? Was, wenn ich zu viel Privates preisgebe? Was denken dann die Menschen aus meinem Umfeld über mich? Keine Sorge, mit diesen und ähnlichen Gedanken bist du keinesfalls allein. Viele Menschen haben Angst davor, ihre Inhalte persönlicher zu gestalten. Der Grund hierfür ist oftmals überraschend einfach und doch so vertrackt: Sie verwechseln persönlich mit privat.
Persönlichkeit: Das Salz in deiner Content-Suppe
Du scrollst mal wieder durch Instagram, klickst mal hier, likest mal da… und wirst dieses Gefühl nicht los, all das, was da über deinen Smartphonebildschirm flackert, schon einmal gesehen zu haben? Kein Wunder, denn Inhalte auf Social Media sind längst zur Massenware geworden und dadurch beliebig austauschbar. Getreu dem Motto „Mehr ist mehr“ wird gepostet (und auch fleißig abgeguckt), was das Zeug hält…
So kommt es, dass Content immer seltener wirklich unique ist und dadurch im Gedächtnis bleibt. Doch genau das wollen wir doch mit strategischem Content-Marketing erreichen!? Was also tun, um endlich wieder aus der Masse herauszustechen?
Das sprichwörtliche Salz, das nach wie vor vielen Content-Strategien fehlt, ist Persönlichkeit. Menschen wollen Menschen sehen, keine Logos, Produkte oder aufgeräumte Schreibtische. Wir alle wollen relaten, das Gefühl haben, das da auf dem Display ist eine Freundin oder zumindest ein guter Bekannter, der oder dem wir unsere Zeit schenken.
Warum ist Persönlichkeit im Content-Marketing so wichtig
Persönlichkeit im Content-Marketing schafft Nähe. Nähe schafft Vertrauen. Vertrauen schafft… na, du weißt schon: Zahlungseingänge auf deinem Konto. Und das ist es vermutlich, was du letztlich mit deinen Inhalten erreichen möchtest.
Ein weiterer Vorteil deiner Persönlichkeit: Sie kann von niemandem – keinem Menschen und keiner KI – nachgeahmt werden und ist somit eine Art Kopierschutz für deinen Content. Ziemlich cool, oder?
Sichtbarkeit sorgt für Unsicherheit
Obwohl ziemlich schnell erklärt ist, warum Persönlichkeit ein so wesentlicher Bestandteil von gutem Content-Marketing ist, sträuben sich viele nach wie vor, beispielsweise vor die Kamera zu treten oder anderweitig als Person sichtbar zu werden. Faceless content ist weiterhin „der Hit“ und auch viele Unternehmen präsentieren lieber ihre Produkte oder maximal den Bürohund anstelle von echten Menschen.
Die Frage „Muss ich denn wirklich in diesen Reels zu sehen sein?!“, ist sicherlich vielen bekannt und soll an dieser Stelle einmal mit aller Deutlichkeit beantwortet werden:
JA!
Ich kann verstehen, warum dir beim Gedanken daran, jetzt auch noch in dein Handy reden zu müssen, unwohl ist und du vielleicht sogar überlegst, das „Projekt Content-Marketing“ doch lieber wieder abzubrechen.
Sichtbarkeit bringt (zumindest bei den meisten von uns) Unsicherheit mit sich. Wir – und da klammere ich mich selbst keineswegs aus – befürchten, anderen dadurch eine Angriffsfläche zu bieten oder ungewollt Dinge zu zeigen und auszuplaudern, die gar nichts im Web zu suchen haben. Was diesen und ähnlichen Unsicherheiten zu Grunde liegt, ist ein ganz entscheidender Denkfehler:
Viele verwechseln persönlich mit privat.
Persönlich vs. privat: Das ist der Unterschied
(Mehr) Persönlichkeit im Content-Marketing bedeutet auf keinen Fall, dass du nun beginnen musst, deine Morgenroutine im Bad zu filmen oder über deine frische Beziehung zu plaudern. Es heißt auch nicht, dass du deinen Weihnachtsbaum oder die Geburtstagsgeschenke für deine Kinder zeigen sollst. All das sind zwar durchaus persönliche Inhalte, aber sie sind auch noch etwas ganz anderes: privat.
Damit du dich mit dem Gedanken, persönlich in deinen Inhalten sichtbar zu werden, wohler fühlst, musst du unbedingt verstehen, dass es einen großen Unterschied zwischen persönlich und privat gibt.
- Privat = das, was wirklich dir und (vermutlich) nicht ins Internet gehört. Hierzu zählen intime, sensible und schützenswerte Informationen wie dein Beziehungsstatus, dein privates Umfeld, deine Familie (insbesondere Kinder) oder auch bestimmte Lebensbereiche.
- Persönlich = deine Haltung, deine Erfahrungen, deine Meinungen, deine Denkweise, dein Humor, dein Charakter. Du selbst bestimmst, welche Facetten deiner Person du online präsentierst und damit für andere zugänglich machst. Dabei steht der Schutz deiner Privat- und Intimsphäre stets an oberster Stelle.

So wird dein Content persönlicher – aber nicht privat!
Kommen wir nun von der Theorie zur Praxis beziehungsweise zu der Frage: Wie wird mein Content persönlicher, ohne dass ich intime Einblicke in mein Privatleben gebe? Das hier sind meine Tipps für dich:
#1 Definiere deine Grenzen
Das, was für den einen vielleicht noch voll okay ist, geht für die andere bereits viel zu weit und umgekehrt. Tatsächlich ist die Frage „Was ist privat und was nicht?“ überaus subjektiv gefärbt. Ob du zum Beispiel ein Reel in deinem Wohnzimmer aufnehmen würdest oder das doch lieber ausschließlich im Büro machst, musst du allein für dich entscheiden.
Definiere also im Vorfeld einmal ganz genau, was für dich privat und damit besonders schützenswert ist und welche Aspekte deiner Persönlichkeit du mit gutem Gewissen online präsentieren kannst. Damit baust du einen sicheren Rahmen für dein persönliches Content-Marketing.
#2 Nutze Storytelling
Storytelling ist eines der wichtigsten Werkzeuge im Content-Marketing, wenn du es persönlicher gestalten möchtest. Leute lieben es, den Geschichten anderer zu lauschen, vor allem, wenn sie spannend vorgetragen werden, es diverse Plot Twists gibt und sie am Ende sogar noch ein learning mitnehmen.
Zusatz-Tipp: Habe beim Erzählen immer deinen „Persönlichkeits-Rahmen“ im Hinterkopf. Dann läufst du auch nicht Gefahr, plötzlich etwas Privates oder Intimes zu erzählen.
#3 Trenne Berufliches und Privates
Vor ein paar Monaten habe ich mich hingesetzt, mein Handy in die Hand genommen und rigoros Profile aussortiert, denen ich mit meinem beruflichen Account folge. Nicht, weil mir ihre Inhalte nicht mehr gefallen, sondern weil ich eine private Verbindung zu ihnen habe oder sie meine privaten Interessen widerspiegeln. Denn mir wurde bewusst: Wenn ich mein Privatleben von diesem Account und den Inhalten, die ich darüber veröffentliche, trennen will, dann muss ich dabei konsequent sein.
Zusatz-Tipp: Um trotzdem mit den Leuten in Verbindung zu bleiben und weiterhin Content zu meinen privaten Interessen zu erhalten, bin ich den Accounts im Anschluss einfach mit meinem privaten Profil gefolgt, auf dem wiederum alles Berufliche Tabu ist.
#4 Besteige den Cringe Mountain
Ich weiß aus eigener Erfahrung und nur zu gut, wie unangenehm es sich anfühlt, online sichtbar zu werden und seinen Content persönlich(er) zu gestalten. Und nicht nur mir geht es so, sondern auch vielen anderen! Du bist mit deinen Unsicherheiten also auf keinen Fall allein.
Was mir immer wieder hilft, das Gedankenkarussell zumindest phasenweise anzuhalten, ist das Cringe Mountain-Prinzip. Es funktioniert in etwa so:
Stell dir vor, mehr Persönlichkeit in deinem Content ist wie die Besteigung eines Berges (des Cringe Mountain, um genau zu sein). Anfangs hängst du mir vielen anderen Menschen im Basislager ab. Da sind Leute, die ebenfalls sichtbar werden wollen, aber auch ganz viele andere: Neider, Hater und nicht zuletzt Menschen, denen du schlichtweg egal bist. Mit jedem Inhalt, in dem du dich persönlich zeigst, kommst du dem Gipfel des Cringe Mountain ein Stück näher – während alle anderen weiter im Basiscamp chillen.
Irgendwann hast du dich nach oben gekämpft und stellst fest: Hui, ab jetzt geht‘s plötzlich ganz einfach! Kein Wunder, denn ab jetzt „läufst“ du stetig bergab – und kommst somit schließlich in das „land of cool“, das ich persönlich eher als „land of I don‘t give a fuck“ bezeichnen würde. Wenn du also den Cringe Mountain erst einmal bezwungen hast, wird es sich irgendwann immer normaler und leichter anfühlen, deine Persönlichkeit zu zeigen – bis du schließlich komplett cool damit bist und dir das Gerede der anderen egal ist.
Oder nochmal in ganz simplen Worten: Je öfter du dich als Person in deinen Inhalten zeigst, desto leichter wird es dir fallen.

#5 Lege eine Persona fest
Was mir sehr hilft, meinen persönlichen Cringe Mountain zu besteigen, ist die berufliche Persona Jessika Fichtel. Wenn ich ein neues Reel drehe oder eine Story aufnehme, dann manche ich das nicht als „die private Jessi“, sondern immer im Kontext meiner beruflichen Ambitionen. Das kommuniziere ich auch durchaus so nach außen, wohlwissend, dass man mir daraufhin mangelnde Authentizität und das Spielen einer Rolle vorwerfen könnte. Ich kann diesen Gedankengang sogar durchaus nachvollziehen.
Meine Persona ist jedoch keine Rolle, sondern eine Facette von mir – und das ist doch wohl ein himmelweiter Unterschied. Wir alle sind vielschichtige Persönlichkeiten mit ganz unterschiedlichen Eigenschaften, Meinungen, Interessen, Vorlieben, Abneigungen,… Wie wäre es, wenn wir manche davon im Rahmen unseres Content-Marketings zeigen… und andere eben nicht?
An diesem Punkt kommen wir noch einmal zurück zu Tipp #1 und dem „Rahmen“. Denn der ist (zumindest in meinem Fall) auch eng mit meiner Persona verknüpft. So sagt die berufliche Jessika Fichtel zwar durchaus, dass sie zweifache Mädelsmama ist, doch mehr Informationen zu ihren Kindern gibt es nicht. Nicht, weil mir meine Kinder peinlich sind (haha, das blanke Gegenteil ist der Fall!), sondern weil sie ein Teil meines Privatlebens sind, das wiederum mit meiner beruflichen Persona nichts zu tun hat.
Seitdem ich diese Denkweise für mich festgelegt und verinnerlicht habe, schaue ich im Übrigen auch die Inhalte von Freund:innen und Bekannten mit ganz anderen Augen an. Ich sehe dort nicht die Person, die ich im Privaten kenne, ich sehe den Handwerker, die Trau(er)rednerin, die Reisebloggerin und den Ladeninhaber. Es macht mir riesengroßen Spaß, die Inhalte dieser Menschen zu konsumieren. Denn was mir gezeigt wird, ist ganz viel Persönlichkeit.
Fazit: Persönlich ≠ Privat
Um dein Content-Marketing persönlich und damit nahbarer zu gestalten, musst du dich keinesfalls online „nackig machen“. Es geht nicht darum, private Details preiszugeben und sich damit interessanter zu machen. Es geht nicht darum, Einblicke in Bereiche deines Lebens zu geben, die eigentlich nur für einige wenige Menschen bestimmt sind.
Persönlichkeit im Content-Marketing bedeutet in erster Linie: Haltung zeigen, Meinungen äußern und Grenzen wahren, die du allein bestimmst.